Betreuung

Lebensinhalt im Lebensalter

Wer in die Situation kommt, in ein Pflegeheim einzutreten, hat vermutlich bereits erlebt, dass seine Möglichkeiten, den eigenen Alltag selbst zu gestalten durch unterschiedliche Einschränkungen limitiert sind:

  • Kognitive Einschränkungen oder Demenz
  • Eine Begrenzung der Mobilität
  • Krankheitssymptome auf verschiedenster Ebene
  • Psychische Begrenzungen, die das Leben mühsam machen

Nicht selten bedeutet der Eintritt in ein Pflegeheim, dass der Alltag seinen Inhalt und seine Struktur verliert, welche bis dahin eine geschätzte und unterstützende Routine waren. Es ist uns ein grosses Anliegen, dass der Alltag unserer Bewohner im Pflegeheim nach wie vor Inhalt und eine Struktur hat.

Lebensinhalt im Lebensalter

Damit Lebensinhalt im Lebensalter stattfinden kann, nehmen wir uns Zeit für Beziehungen. In unserem Haus betreut und pflegt an einem Tag eine Fachperson eine BewohnerIn. Wir legen grossen Wert auf eine beziehungsorientierte Pflege und vermeiden es, beständig die Personen zu wechseln, die unsere BewohnerInnen pflegen und betreuen.


Durch unseren grossen Personalbestand haben wir ausreichend Zeit, auch Individuelles mit unseren Bewohnern zu unternehmen oder zu besprechen. Aktivierung findet in kleinen Gruppen, innerhalb einer Wochenstruktur oder in mehrfach wöchentlichen geplanten Betreuungsfenstern im Verhältnis eins zu eins statt.


Der Lebensweg an jedem Lebensende beinhaltet auch eine Lebensaufgabe: Nämlich die, das Leben abzuschliessen. Diese Aufgabe ist ein individueller Weg und kann von niemandem für den Betroffenen übernommen werden.


Was wir aber tun wollen und tun können ist, unseren Bewohnerinnen das Lebensumfeld zu bieten, indem sie so gut versorgt und geborgen sind, dass sie für diese letzte Lebensaufgaben Energie, Kraft und Halt haben.

Was ist der richtige Zeitpunkt, um in ein Pflegeheim einzutreten?

Dank einer guten und professionellen medizinischen Unterstützung und flexiblen Spitexversorgung hat sich der Eintritt in ein Pflegeheim für viele Menschen deutlich nach hinten verschoben.


Viele Eintritte in ein Pflegeheim geschehen heute nicht mehr aus einem Entscheidungsprozess, sondern aus einem Notfallprozess heraus (in etwa so, dass der Eintritt direkt aus einem Spitalaufenthalt hervorgeht).


Wir sind der Überzeugung, dass es sich für jeden potentiellen Bewohner lohnt, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wann und wohin er oder sie selbst den Schritt in eine Pflegeumgebung machen wollen würde.


Es lohnt sich, sich rechtzeitig der Frage zu stellen, was mir in einer Situation, in der ich auf Unterstützung und Pflege angewiesen wäre, wichtig ist.

Aus unserer Erfahrung gibt es drei Faktoren, die die Überlegung, in ein Heim eintreten zu wollen, sinnvoll machen:

1. Sturzgefahr

Wenn die eigene Mobilität so eingeschränkt ist, dass eine beständige oder latente Sturzgefahr gegeben ist, kann eine punktuelle Betreuung durch Spitex oder Angehörige dieses Risiko nicht mindern. Aus eventuellen Stürzen können ganz erhebliche Beeinträchtigungen der weiteren Lebensqualität hervorgehen, die sich niemand wünschen würde.

2. Kognitive Einschränkung (Demenz)

Personen, die in erheblichem Masse in ihren kognitiven Möglichkeiten eingeschränkt sind,
brauchen ab einem bestimmten Zeitpunkt eine Präsenz der fürsorgenden Personen um sie rund um die Uhr. Diese Präsenz überfordert vielfach die davon betroffenen Personen, die sich mit aller Kraft für den dementen Menschen einsetzen wollen. In der professionellen Umgebung eines Pflegeheimes kann diese Aufgabe auf drei Schichten aufgeteilt werden und überfordert nicht eine einzelne Person über das Mass ihrer Kräfte hinaus.

3. Vereinsamung

Wenn die persönlichen Kräfte so nachgelassen haben, dass zwar ein eigenständiges Wohnen mit Unterstützung von Spitex und Mahlzeitendienst noch möglich ist, aber die Kontaktpflege in jeder Hinsicht eingeschränkt oder unmöglich geworden ist, führt dies zu einer Vereinsamung und ebenfalls zu einem Verlust des Lebensinhaltes. Auch hier ist es gut zu prüfen, ob ein Aufenthalt in einer Gemeinschaft von Menschen, die sich in ähnlicher Lebenssituation befinden, nicht mehr Lebensqualität (oder weniger Leiden an der Einsamkeit) bedeutet.